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Insights / Markenführung

Markenführung in Industriegütermärkten

Die strategische Bedeutung der Markenführung

Komplexe mechanische Metallbauteile und ein Zahnrad in einem geöffneten Fahrzeuggetriebe.

Marke und Markenführung haben in den letzten Jahren erheblich an Bedeutung gewonnen, sowohl auf Ebene der wissenschaftlichen Forschung als auch auf der Ebene der Unternehmenspraxis.

Tendenziell wird die Bedeutung der Marke stärker im Bereich der Konsumgüterindustrie und bei Dienstleistungen betont. Betrachtet man dagegen Industriegütermärkte, wird dem Thema Marke deutlich geringerer Stellenwert beigemessen. In diesem Fall wird Markenführung sehr eng gefasst und auf Corporate Design (Logo, etc.) und Werbung / Kommunikation reduziert.

Die Marketing-Abteilung und ihr Aufgabengebiet in diesen Unternehmen sind oft entsprechend „einfach“ strukturiert. Die Verantwortung ist auf die operative Marketing-Umsetzung (z.B. Werbung, Internetkommunikation, Messeauftritte, etc.) reduziert. Strategisch ist das Thema „Marke“ nur in seltenen Fällen verankert, Strategieentwicklungsprojekte klammern das Thema häufig komplett aus. Begründet wird diese Reduktion meist mit der Feststellung, dass in Industriegütermärkten rationale Entscheidungsprozesse vorherrschen und daher emotionale Themen wie Marke keine Relevanz für den Erfolg des Unternehmens haben.

Eine in Deutschland in vier zentralen Industriegütermärkten (Automobilzuliefer-, Chemie-, Elektro- und Maschinenbauindustrie) durchgeführte Studie (Markus Richter: Markenbedeutung und -management im Industriegüterbereich, Gabler Verlag, 2007) stellt diese Annahmen stark in Frage. Wir haben hier einige der zentralen Ergebnisse zusammengefasst und die aus unserer Sicht zentralen Konsequenzen für Strategieentwicklungsprozesse abgeleitet.

Markenführung – ihr Einfluss auf den Unternehmenserfolg

Markus Richter ist in dieser Untersuchung der Frage nachgegangen, welche Aspekte der Markenführung einen besonders starken Einfluss auf den wirtschaftlichen Erfolg ausüben. Dabei wurde der Einfluss auf drei unterschiedlichen Ebenen untersucht:

  • Einfluss der Markenführung auf die Loyalität der Kunden

  • Einfluss der Loyalität auf Aspekte des Markterfolgs wie z.B. Kundenzufriedenheit, Gewinnung neuer Kunden, Erfolgsquote in der Neuprodukteinführung, erzielbare Preisniveaus, etc.

  • Einfluss des Markterfolgs auf den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens im Sinne der erzielten Umsatzrendite der letzten 3 Jahre im Vergleich zu den relevanten Wettbewerbern

Im Rahmen der Markenführung ergeben sich vier zentrale Einflussfaktoren auf die Loyalität, den Markterfolg und damit auch den wirtschaftlichen Erfolg von Unternehmen. Diese vier Bereiche sollten von Industriegüterunternehmen besonders beachtet und strategisch gestaltet werden.

Markenpositionierung: klare strategische Verankerung und kontinuierliche Pflege

Eine Marke darf auch im Industriegüterbereich nicht auf visuelle Aspekte wie Logo oder Name reduziert werden. Entscheidend ist eine klare Vorstellung davon, wie die Marke künftig von Kunden und anderen Austauschpartnern wahrgenommen werden soll. Eine eindeutige, auf Produkt- und Serviceaspekte fokussierte Positionierung stärkt langfristig Markenloyalität und Unternehmenserfolg. Sie sollte kontinuierlich gepflegt und angepasst werden, ohne ihre Grundpfeiler wesentlich zu verändern.

Gestaltung der Markenarchitektur: Nachvollziehbarkeit für Kunden ist Pflicht

Die Marken- und Sortimentsarchitektur muss für Kunden möglichst einfach, logisch und nachvollziehbar sein, da dies die Markenloyalität stärkt. Veränderungen in Breite und Tiefe des Markensortiments sollten daher mit großer Vorsicht erfolgen. Am Markt gelernte Strukturmuster sind möglichst konstant zu halten, da häufige Veränderungen Kunden verwirren und bestehende Loyalität schwächen.

Gestaltung des operativen Markenauftritts: zentrale Markenbedeutung der Vertriebsmitarbeiter

Einzigartigkeit und Einheitlichkeit des Erscheinungsbilds sowie Kontinuität in der operativen Umsetzung sind zentrale Erfolgsfaktoren. Den stärksten Einfluss auf Markenloyalität und wirtschaftlichen Erfolg hat jedoch ein einheitliches, zur Markenpositionierung passendes Verhalten aller Mitarbeiter mit Kundenkontakt. Je konsequenter insbesondere der Vertrieb auf die strategische Positionierung ausgerichtet wird, desto klarer kann sich das Markenbild am Markt entwickeln.

Damit gewinnt die interne Markenführung an zentraler Bedeutung: Der Vertrieb sollte in die Entwicklung der Markenstrategie einbezogen, die Strategie breit intern kommuniziert und in vertriebsrelevante Steuerungsvorgaben übersetzt werden.

Organisatorische Verankerung der Markenverantwortlichkeiten: ohne klare Strukturen kein Erfolg

Klare Verantwortlichkeiten für die Marke sind organisatorisch zentral. In Industriegüterunternehmen wird Markenführung jedoch häufig aus den operativen Geschäftsbereichen in eine Marketingabteilung verlagert, die vielfach vor allem operative Werbeaufgaben übernimmt. Dadurch reduziert sich Markenführung oft auf Corporate Design. Markenverantwortung sollte daher hierarchisch weit oben und möglichst nahe an Bereichen mit unmittelbarer Vertriebsverantwortung angesiedelt sein.

Gleichzeitig darf interne Markenführung nicht auf den Vertrieb beschränkt bleiben. Auch Bereiche mit Kundenkontakt wie Anwendungstechnik, Produktentwicklung oder Service sollten in die strategische Weiterentwicklung eingebunden und laufend über Bedeutung und Wichtigkeit der Marke informiert werden. Nur ein breites internes Verständnis der strategischen Relevanz der Marke ermöglicht den Aufbau einer starken Marke am Markt.

UNSER FAZIT

Aus der Fülle möglicher Aspekte der Markenführung sowohl auf der strategischen als auch auf der operativen Ebene stechen entsprechend der Untersuchungsergebnisse aus Deutschland diese zentralen Bausteine hervor. Gelingt es Industrieunternehmen mittelfristig, diese Erfolgsfaktoren im Unternehmen zu verankern, lassen sich positive Resultate auf die Loyalität der Kunden und damit auf den Markterfolg und wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens erzielen.

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