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Insights / Employer Branding

Case Study: SWARCO

Von der Unternehmensmarke
zur gelebten Arbeitgebermarke

Nahaufnahme eines Autoreifens auf einer Asphaltstraße im warmen Licht der Abendsonne.

Eine starke Arbeitgebermarke beginnt nicht im Recruiting.

Sie beginnt bei der Frage, wofür ein Unternehmen steht, welche Kultur es leben möchte und welches Versprechen daraus für Mitarbeitende entstehen kann. Genau mit diesen Fragen haben wir uns gemeinsam mit SWARCO über mehrere Jahre intensiv auseinandergesetzt – von einem gemeinsamen Zukunftsbild der Marke, über Kultur- und Wertearbeit bis hin zu einer klar definierten Employer Brand und einem systematischen Prozess für deren Weiterentwicklung und Verankerung.

Unternehmensmarke: Ein gemeinsames Zukunftsbild schaffen

2017 stand SWARCO vor einer typischen Herausforderung stark gewachsener Unternehmensgruppen. Rund 80 Gesellschaften waren weltweit tätig, viele davon noch unter ihren ursprünglichen Firmennamen. Eine gemeinsame Identität fehlte, vor allem aber eine gemeinsame Vorstellung davon, wofür SWARCO als Gruppe stehen und wie das Unternehmen künftig wahrgenommen werden sollte.

Ein internationales Projektteam mit mehr als 20 Mitarbeitenden setzte sich mit Markttrends, Stakeholderfeedback und der eigenen Marke und Organisation auseinander. Das damalige Ist-Bild war bewusst selbstkritisch. Diesem wurde ein Zukunftsbild gegenübergestellt: ein selbstbewusstes Unternehmen, das Orientierung gibt, offen kommuniziert, aus Fehlern lernt, schnell auf Veränderungen reagiert und seine internationale Organisation auf gemeinsame Ziele ausrichtet. Damit entstand erstmals ein gemeinsamer Referenzpunkt dafür, wie SWARCO künftig sein wollte.

Kultur und Werte: Das Zukunftsbild in Verhalten übersetzen

Das Zukunftsbild wurde anschließend in gemeinsame Kernwerte und konkrete Verhaltenserwartungen übersetzt. Entscheidend war: Die Werte sollten nicht im Markenhandbuch stehen bleiben, sondern im Alltag gelebt werden. So wurden sie beispielsweise in Mitarbeitergespräche integriert und gemeinsam mit Führungskräften reflektiert: Was bedeutet etwa Verlässlichkeit konkret für das tägliche Handeln bei SWARCO?

Für die internationale Verankerung setzte SWARCO auf Internal Branding, Workshops und ein Train-the-Trainer- bzw. Changemaker-Konzept. Mitarbeitende aus unterschiedlichen Regionen wurden befähigt, das Zukunftsbild und die Werte in ihre lokale Organisation zu übersetzen und abzuleiten, was das strategische Bild für die lokale Organisation bedeutet. Gerade darin liegt eine wichtige Erkenntnis: Kultur verändert sich nicht durch einen Beschluss. Sie entsteht durch kontinuierliche Auseinandersetzung, Übersetzung und Wiederholung.

Arbeitgebermarke: Aus Identität ein Arbeitgeberversprechen entwickeln

Auf diesem strategischen Fundament wurde die SWARCO Employer Brand im Jahr 2025 weiterentwickelt. Auf Headquarter-Ebene wurden die strategischen Inhalte der Arbeitgebermarke definiert und in einer Employer Brand Strategy festgehalten. Im Zentrum stand die Frage: Was bedeutet unser gemeinsames Selbstverständnis auf Unternehmensebene konkret für bestehende und zukünftige Mitarbeitende? Aus Unternehmensmarke, Kultur und Werten sowie Benefits und Entwicklungsmöglichkeiten wurde die SWARCO Employer Brand Value Proposition (EVP) für die relevanten Zielgruppen abgeleitet.

Parallel entstanden konkrete Instrumente für die lokalen Gesellschaften: von Umsetzungs-
guidelines und Planungstools bis zur Unterstützung bei Kampagnen und Karrieremessen. Gruppenweite Kampagnen übersetzten die Arbeitgebermarke schließlich in sichtbare kommunikative Aktivitäten für die einzelnen Niederlassungen.

Vom Employer Branding zur systematischen Verankerung

Mit zunehmender Aktivität zeigte sich jedoch eine neue Herausforderung: Die Employer Brand war definiert, ihre Umsetzung erfolgte aber teilweise noch über unkoordinierte Einzelmaßnahmen in den einzelnen Niederlassungen. Ein gemeinsamer Planungsprozess fehlte, der Aktivitäten zwischen Headquarter und Töchter konsequent koordinierte. Deshalb entwickelte SWARCO einen eigenen Employer Branding Planning Prozess, der strategische Weiterentwicklung und operative Aktivitäten miteinander verbindet.

Die Employer Brand wird regelmäßig mit Entwicklungen am Arbeitsmarkt und dem Feedback der Mitarbeitenden abgeglichen. Zielgruppen und ihre Bedürfnisse, die Employer Brand Value Proposition und gewünschte Assoziationen werden überprüft und bei Bedarf angepasst und geschärft. Darauf aufbauend werden strategische Ziele, Initiativen und konkrete Aktivitäten für das folgende Employer Branding Year geplant. Employer Branding bei SWARCO wird damit von einer punktuellen Kommunikationsaufgabe zu einem kontinuierlichen Managementprozess.

FAZIT

Der SWARCO-Case zeigt, dass eine starke Arbeitgebermarke dort besonders wirksam wird, wo Unternehmensmarke, Kultur und Employer Brand konsequent zusammenspielen. Ein gemeinsames Zukunftsbild schafft Orientierung, Werte und Verhalten machen diesen Anspruch intern erlebbar, und die Employer Brand übersetzt ihn in ein relevantes Versprechen für bestehende und zukünftige Mitarbeitende. Entscheidend ist dabei die kontinuierliche Verankerung: Erst durch regelmäßige Reflexion, klare Prozesse und die Übersetzung in konkrete Maßnahmen wird aus einer strategisch definierten Arbeitgebermarke eine dauerhaft glaubwürdige und wirksame Arbeitgeberpositionierung.

3 Fragen an

Markus Mitterecker

Eine blonde Frau und ein Mann mit Brille lächeln vor einem Swarco-Logo.

Wo zeigt sich für dich am stärksten, ob die Employer Brand in der Organisation wirklich angekommen ist?

Für mich zeigt es sich am stärksten im Arbeitsalltag, ob unsere Employer Brand wirklich angekommen ist. Nicht an Kampagnen oder schönen Botschaften, sondern daran, wie Führungskräfte führen und Teams miteinander umgehen. Entscheidend ist, ob Mitarbeitende die Werte tatsächlich erleben und leben, auch wenn es einmal schwierig wird. Wenn das, was wir nach außen versprechen, intern genauso wahrgenommen wird, sind wir glaubwürdig. Und genau da sind wir bei SWARCO auf einem guten Weg. Das funktioniert aber nur, wenn die Arbeitgeber-marke auf allen Ebenen mitgetragen wird.

Wie schafft ihr es, eine gemeinsame Employer Brand zu stärken und gleichzeitig lokale Besonderheiten zu berücksichtigen?

Auf Dachmarkenebene definieren wir jedes Jahr gemeinsam zwei bis drei Leadkampagnen, die unsere übergeordneten Employer Branding Themen transportieren und grundsätzlich für alle Regionen und Standorte funktionieren. Gleichzeitig geben wir unseren Ländern und Locations bewusst die Freiheit, diese Kampagnen lokal aufzugreifen, anzupassen oder eigene Schwer-punkte zu setzen.
So schaffen wir einen gemeinsamen Rahmen, ohne lokale Bedürfnisse und Besonderheiten aus den Augen zu verlieren. Das Ergebnis ist ein stimmiges Gesamtbild mit genügend Raum für regionale Relevanz und Eigenständigkeit.

Was sind aus deiner Sicht die wichtigsten Voraussetzungen, damit Employer Branding nicht nur als Kampagne, sondern als kontinuierlicher Prozess in der Organisation verankert wird?

Rückblickend war für uns entscheidend, dass die Employer Brand nicht nur als Kommunikations- oder HR-Projekt verstanden wurde, sondern von Vorstand, Marketing und HR gemeinsam getragen wurde. Dazu gehören ein definiertes Budget, klare Verantwortlichkeiten und vor allem ein verbindlicher Prozess. Wichtig ist, gemeinsam zu definieren, wie wir zusammenarbeiten, wie Themen priorisiert werden, wer wann eingebunden wird und wie wir sicherstellen, dass Employer Branding dauerhaft weiterentwickelt wird. Dabei sollte man das Projekt bewusst schlank halten und die Organisation nicht mit zu vielen Abstimmungen, Workshops oder Maßnahmen überlasten. Lieber wenige, gut priorisierte Schritte konsequent umsetzen.

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